Wie Alternative Investments ein Portfolio wirklich verbessern, und was die Wissenschaft dazu sagt
- Justin Sodhi

- 11. Juni
- 5 Min. Lesezeit
Die entscheidende Frage bei alternativen Investments lautet nicht, ob sie mehr Rendite als Aktien bringen, sondern ob sie das Gesamtportfolio effizienter machen. Das ist ein fundamentaler Unterschied. Ein Portfolio kann durch alternative Investments eine bessere Rendite bei gleichem Risiko erzielen, oder dasselbe Renditepotenzial bei niedrigerem Risiko, oder in Extremszenarien das Überleben sichern, das ein reines Aktienportfolio nicht garantieren würde. Institutionelle Investoren wissen das seit Jahrzehnten, und genau deshalb halten Staatsfonds, Stiftungen und Pensionskassen weltweit substanzielle Anteile ihres Vermögens in alternativen Anlageklassen.
Was sind Alternative Investments, und was zählt dazu?
Der Begriff Alternative Investments umfasst alle Anlageklassen, die außerhalb der klassischen Trias aus Aktien, Anleihen und Geldmarkt liegen. In der institutionellen Praxis werden darunter im Wesentlichen vier Hauptkategorien verstanden.
Private Equity bezeichnet Eigenkapitalbeteiligungen an nicht börsennotierten Unternehmen, typischerweise mit einem Anlagehorizont von sieben bis zehn Jahren und einem Illiquiditätsaufschlag gegenüber börsennotierten Aktien.
Private Debt bezeichnet die direkte Kreditvergabe an mittelständische Unternehmen außerhalb des Bankensystems. Anleger übernehmen dabei die Rolle des Kreditgebers und erhalten dafür einen vereinbarten Zinssatz, der typischerweise über dem liegt, was öffentliche Anleihenmärkte bieten.
Real Assets umfassen Investments in physische Vermögenswerte wie Infrastruktur (Straßen, Häfen, Energieanlagen), Immobilien und natürliche Ressourcen. Diese Anlageklasse bietet in der Regel eine implizite Inflationsanbindung, da viele Ertragsströme vertraglich an die Inflationsentwicklung gebunden sind.
Spezialstrategien, auch als Liquid Alternatives bekannt, sind Fondsstrukturen, die Strategien anwenden, die unabhängig von der Marktrichtung Erträge generieren sollen. Dazu zählen marktneutrale Strategien, Global-Macro-Ansätze, Event-Driven-Strategien und ähnliche Konzepte.
Was sagt die Portfoliotheorie über den Nutzen alternativer Investments?
Der theoretische Rahmen dafür stammt von Harry Markowitz, dessen Portfoliotheorie aus dem Jahr 1952 noch heute das Fundament der professionellen Portfoliokonstruktion bildet. Der Kerngedanke ist der Diversifikationseffekt: Wenn zwei Anlageklassen nicht perfekt positiv miteinander korreliert sind, also wenn sie sich nicht immer gleichzeitig nach oben oder unten bewegen, dann ist das kombinierte Portfolio risikoärmer als die Summe seiner Teile.
Die Korrelation ist der Schlüsselbegriff. Eine Korrelation von plus eins bedeutet, beide Anlageklassen bewegen sich immer identisch. Eine Korrelation von minus eins bedeutet, sie bewegen sich immer entgegengesetzt. Eine Korrelation von null bedeutet vollständige Unabhängigkeit. Alternative Investments, insbesondere Private Equity und Private Debt, haben historisch eine deutlich geringere Korrelation mit dem Aktienmarkt als andere öffentlich gehandelte Assetklassen, was genau den Diversifikationseffekt erzeugt, den Markowitz beschrieben hat.
Messbar wird dieser Effekt über den Sharpe Ratio, eine Kennzahl, die die Rendite eines Portfolios ins Verhältnis zum eingegangenen Risiko setzt. Ein Portfolio, das bei gleichem Risiko mehr Rendite erzielt, oder bei gleicher Rendite weniger Risiko trägt, hat einen höheren Sharpe Ratio. In der Fachsprache spricht man von einer Verschiebung der Effizienzgrenze: Das Portfolio liegt näher am theoretisch optimalen Punkt des maximalen Nutzens pro Risikoeinheit.
Was zeigen die historischen Daten institutioneller Investoren?
Die institutionelle Praxis bestätigt die Theorie. Große Stiftungen und Universitätsendowments, allen voran das Harvard Management Company und das Yale Endowment unter David Swensen, haben seit den 1990er Jahren konsequent hohe Anteile in alternative Anlageklassen investiert und dabei über lange Zeiträume deutlich bessere risikoadjustierte Renditen erzielt als vergleichbare Portfolios mit rein liquiden Anlagen.
Das Yale Endowment ist besonders bekannt dafür, Anteile von über fünfzig Prozent in alternative Anlagen gehalten zu haben, verteilt auf Private Equity, Hedgefonds, Real Assets und Risikokapital. Die durchschnittliche jährliche Rendite über Jahrzehnte lag dabei konsistent über dem Niveau, das ein reines Aktien-Anleihen-Portfolio erzielt hätte, bei gleichzeitig niedrigerer Volatilität des Gesamtportfolios.
Dabei ist ein wichtiger Hinweis erforderlich: Diese Ergebnisse setzen professionelle Manager-Selektion, institutionelle Zugangsbedingungen und eine lange Investitionsdauer voraus. Der Privatanleger, der schlicht einen beliebigen Private-Equity-Dachfonds kauft, repliziert diese Ergebnisse nicht automatisch. Manager-Selektion und Portfoliokonstruktion machen hier den entscheidenden Unterschied.
Warum verbessern Alternative Investments das Portfolio auch in Krisenzeiten?
Die Verbesserung zeigt sich besonders deutlich in Stressphasen. Während eines Börsencrashs, wie im Jahr 2008 oder im März 2020, fallen alle korrelierten Anlageklassen gleichzeitig. Ein Portfolio, das ausschließlich aus liquiden Aktien und Anleihen besteht, hat in solchen Momenten keine Ausweichmöglichkeit.
Alternative Investments, insbesondere Private Debt und nicht börsennotierte Real Assets, unterliegen in einem Börsencrash keiner täglichen Marktbewertung auf Basis von Handelskursen. Das hat zwei Konsequenzen. Erstens fällt der buchhalterische Wert des Gesamtportfolios in einem Crash weniger stark, was psychologisch und regulatorisch relevant ist. Zweitens und wichtiger: Der Anleger wird nicht gezwungen, diese Positionen zu verkaufen, weil es schlicht keinen täglich liquiden Markt gibt, auf dem ein Panikverkauf möglich wäre.
Hinzu kommt der sogenannte Rebalancing-Vorteil. Ein Portfolio mit illiquiden Alternativen kann in einem Aktiencrash gezielt die liquide Aktienkomponente aufstocken, während die alternativen Anlagen stabil im Portfolio verbleiben, was langfristig zu einem disziplinierteren antizyklischen Verhalten beiträgt.
Welche Gewichtung alternativer Investments ist in einem Privatanlegerportfolio sinnvoll?
Die institutionelle Praxis zeigt, dass Anteile von zwanzig bis vierzig Prozent in alternativen Anlagen typisch für gut aufgestellte Family Offices und Endowments sind. Für Privatanleger ist die Antwort differenzierter und hängt von drei Variablen ab.
Der erste Faktor ist der Zeithorizont. Wer in zehn Jahren auf das Kapital angewiesen ist, kann weniger illiquide Positionen halten als jemand, der einen dreißigjährigen Investitionshorizont hat.
Der zweite Faktor ist die Liquiditätsreserve außerhalb des Portfolios. Wer ausreichend liquide Mittel für ungeplante Ausgaben vorhält, kann einen höheren Anteil des Investitionsportfolios in illiquide Klassen investieren, ohne ein Liquiditätsproblem zu riskieren.
Der dritte Faktor ist die Portfoliogröße. Erst ab einem bestimmten Anlagevermögen, in der Praxis etwa ab 250.000 bis 500.000 Euro freiem Investitionskapital, lässt sich eine sinnvolle Streuung über mehrere alternative Anlageklassen und Jahrgänge aufbauen. Unterhalb dieser Schwelle überwiegen Klumpenrisiken und Kostenbelastungen den Diversifikationsnutzen.
Wie integriert die Stratik-Methodik Alternative Investments systematisch?
Innerhalb der Stratik-Methodik von JS Advisors bilden Alternative Investments den Satelliten-Ring des Portfolios. Diese Satelliten werden gezielt ausgewählt, um die Korrelationsstruktur des Gesamtportfolios zu verbessern, nicht um Risiken zu maximieren. Jeder Satellitenbaustein wird auf seine Kompatibilität mit dem Kern des Portfolios geprüft: Wie korreliert er mit dem Aktienmarkt? Welches Liquiditätsprofil trägt er? Wie reagiert er historisch in Stressszenarien?
Das Ergebnis ist ein Portfolio, das sich weniger wie ein Aktienportfolio mit Anleihen und mehr wie ein echtes Multi-Asset-Vermögen verhält, das auf verschiedene wirtschaftliche Szenarien vorbereitet ist. Das ist kein Luxus für institutionelle Investoren, sondern eine Notwendigkeit für jeden, der sein Vermögen über mehrere Jahrzehnte erhalten und entwickeln möchte.
FAQ: Alternative Investments im Portfolio
Erhöhen Alternative Investments das Risiko meines Portfolios?
Im Gegenteil. Alternative Investments können bei sachgerechter Einbettung das Risiko-Rendite-Verhältnis verbessern, weil ihre geringe Korrelation mit Aktien und Anleihen dämpfend auf die Gesamtvolatilität wirkt. Das Risikoprofil einzelner alternativer Anlagen kann durchaus erhöht sein, aber auf Portfolioebene erzeugt die Diversifikation einen Nettoeffekt nach unten auf das Gesamtrisiko.
Was ist der Illiquiditätspremium, und wie groß ist er typischerweise?
Der Illiquiditätspremium beschreibt die Mehrrendite, die Anleger für das Akzeptieren von Illiquidität erhalten. In der Private-Equity-Literatur wird dieser Aufschlag gegenüber vergleichbaren börsennotierten Investments historisch auf zwei bis fünf Prozentpunkte pro Jahr geschätzt, wobei die tatsächliche Höhe stark von Marktphase, Managerqualität und Strategie abhängt.
Kann ich mit ETFs und Indexfonds Alternative Investments abbilden?
Teilweise. Es gibt börsennotierte ETFs auf Private-Equity-Gesellschaften und auf Infrastrukturunternehmen. Diese bieten eine liquide Annäherung, aber kein echtes Exposure: Der Unterschied liegt im Korrelationsprofil. Ein Private-Equity-ETF korreliert mit dem Aktienmarkt, echte Private-Equity-Fonds korrelieren es deutlich weniger, weil ihre Bewertung nicht täglich über Börsenkurse bestimmt wird.
Welche alternativen Anlageklasse hat die niedrigste Korrelation mit Aktien?
Marktneutrale Strategien und bestimmte Real-Asset-Kategorien wie Infrastruktur mit langfristigen regulierten Ertragsströmen weisen historisch die niedrigsten Korrelationen mit dem globalen Aktienmarkt auf. Private Debt hat ebenfalls eine vergleichsweise geringe Aktienmarktkorrelation, zeigt aber in echten Kreditkrisen eine Korrelationserhöhung.
Ab welchem Vermögen lohnt sich eine Beimischung von Alternative Investments?
Als praktischer Richtwert gilt: Ab einem freien Investitionskapital von 250.000 bis 500.000 Euro lässt sich eine erste, sinnvolle Allokation in alternative Anlageklassen realisieren. Darunter sind die Mindestzeichnungsbeträge und die Konzentration in einer einzelnen Position aus Risikosicht zu hoch.
Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine Anlageberatung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Kapitalanlagen sind mit Risiken verbunden, einschließlich des möglichen Verlusts des eingesetzten Kapitals. Vergangene Ergebnisse sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Entwicklungen. JS Advisors Group GmbH erbringt Finanzdienstleistungen im Rahmen ihrer WpIG-Lizenz über die Bank für Vermögen AG.



