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Aktiv oder passiv mit ETFs investieren, und warum die Antwort komplizierter ist als gedacht

  • Autorenbild: Justin Sodhi
    Justin Sodhi
  • 16. Mai
  • 6 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 18. Mai

Kaum eine Frage wird in der Finanzwelt häufiger gestellt und gleichzeitig so selten vollständig beantwortet wie diese: Soll man aktiv oder passiv investieren? Die Mehrheit der Finanzjournalisten und Verbraucherschützer hat eine klare Antwort. Passiv gewinnt fast immer. Günstige Indexfonds schlagen teure aktive Fonds über lange Zeiträume, und wer das ignoriert, zahlt unnötige Kosten für Underperformance. Diese Antwort ist nicht falsch. Aber sie ist unvollständig, und in einer Welt, in der die Mehrheit aller Anleger passiv investiert, ist sie auch nicht mehr die ganze Geschichte.


Was bedeutet passives Investieren?


Passives Investieren bedeutet, einen Index nachzubilden, also beispielsweise den MSCI World, den S&P 500 oder den DAX, ohne zu versuchen, diesen Index durch gezielte Titelauswahl zu übertreffen. Die günstigste Form sind börsengehandelte Indexfonds, sogenannte ETFs, die einen Index automatisch und mit minimalen Kosten abbilden.


Das Argument für passives Investieren ist stark und gut belegt. Die Mehrheit aktiv gemanagter Fonds schlägt ihren Vergleichsindex nach Kosten nicht. Über Zeiträume von zehn Jahren oder mehr ist der Anteil aktiver Fonds, die ihren Index übertreffen, in den meisten Kategorien einstellig. Wer also einen aktiv gemanagten Fonds kauft, wählt statistisch wahrscheinlich ein Produkt, das nach Abzug der Verwaltungsgebühren schlechter abschneidet als ein billiger ETF.


Daraus folgt für viele Anleger die logische Schlussfolgerung: ETF kaufen, liegen lassen, nicht nachdenken. Für viele Anleger, insbesondere für Einsteiger und für diejenigen, die sich nicht intensiv mit Kapitalanlagen beschäftigen möchten, ist das tatsächlich die vernünftigste Empfehlung.


Warum passives Investieren im großen Maßstab ein Problem erzeugt


Es gibt eine Eigenschaft, die den meisten Empfehlungen für passives Investieren fehlt, nämlich die Frage nach den Systemeffekten. Was passiert, wenn nicht mehr eine Minderheit, sondern die überwältigende Mehrheit aller Marktteilnehmer passiv investiert?


Heute sind in den USA etwa 63 Prozent aller Aktienfondsgelder in passiven Strategien angelegt. Hinzu kommen algorithmische Handelsstrategien und Hedgefonds, die auf kurzfristige Preisbewegungen reagieren, ohne die Fundamentaldaten der zugrunde liegenden Unternehmen zu analysieren. Das Ergebnis ist ein Markt, in dem ein immer kleinerer Teil der Teilnehmer noch wirklich analysiert, was ein Unternehmen wert ist.


Das hat eine strukturelle Konsequenz, die das passive Investieren selbst nicht vorhergesehen hat. Wenn ein Unternehmen in einem populären Index enthalten ist, kaufen alle passiven Fonds seine Aktie automatisch, unabhängig davon, ob es gut oder schlecht wirtschaftet, überbewertet oder unterbewertet ist. Und wenn dasselbe Unternehmen aus dem Index geworfen wird, verkaufen alle passiven Fonds automatisch, wieder ohne Rücksicht auf den fundamentalen Wert. Preise entstehen damit immer weniger durch Analyse und immer mehr durch mechanische Kapitalflüsse.


Welche Anomalien entstehen daraus?


In einem Markt, der zunehmend von passiven Flüssen und algorithmischen Strategien dominiert wird, entstehen systematisch Bewertungsanomalien, die in einem effizienteren Markt nicht möglich wären.


Unternehmen, die in populären Indizes enthalten sind, tendieren zu höheren Bewertungen, als ihre Fundamentaldaten rechtfertigen würden, weil ihnen ständig neue Gelder zufließen. Unternehmen außerhalb der großen Indizes, oder solche, die von der Mehrheit der algorithmischen Systeme ignoriert werden, können über längere Zeiträume fundamental attraktiv bewertet bleiben, ohne dass Kapital in sie fließt.



In Phasen von Marktturbulenzen verstärken sich diese Effekte. Wenn Panik einsetzt und passive Fonds aus Abflüssen heraus verkaufen müssen, fallen die Kurse aller Index-Mitglieder, unabhängig von der individuellen Qualität des jeweiligen Unternehmens. Für Anleger, die nicht verkaufen müssen und die Fundamentaldaten verstehen, entstehen in diesen Phasen Kaufgelegenheiten, die in einem effizienteren Markt seltener auftreten würden.


Michael Burry, bekannt durch seine Wette gegen den US-Immobilienmarkt vor der Finanzkrise 2008, hat diese Dynamik in verschiedenen Interviews beschrieben und argumentiert, dass die massive Konzentration passiver Gelder in Indizes strukturelle Risiken erzeugt, die von den meisten Marktteilnehmern ignoriert werden.


Was bedeutet das für aktives Investieren?


Die klassische akademische Debatte zwischen aktivem und passivem Investieren basiert auf der Annahme effizienter Märkte. Wenn alle relevanten Informationen sofort in Preisen reflektiert sind, gibt es keinen Raum für systematische Überrenditen durch Analyse. Die Empfehlung, passiv zu investieren, folgt logisch aus dieser Prämisse.


Was sich verändert hat, ist die Markstruktur selbst. Je mehr Kapital passiv investiert ist, desto weniger Marktteilnehmer analysieren tatsächlich Fundamentaldaten, und desto mehr Raum entsteht für diejenigen, die es tun. Paradoxerweise hat der Siegeszug des passiven Investierens die Bedingungen für aktives, fundamentales Investieren in bestimmten Marktsegmenten verbessert, nicht verschlechtert.

Das bedeutet nicht, dass jeder aktive Fonds eine Outperformance verdient. Der weitaus größte Teil aktiver Fonds scheitert nicht an der Idee des aktiven Investierens, sondern an strukturellen Problemen: zu hohe Kosten, zu großes Anlagevolumen, zu viel Benchmarkorientierung und zu wenig echter Überzeugung in der Portfoliokonstruktion. Ein aktiver Fonds mit 50 Milliarden Euro unter Verwaltung kann keine echte Überzeugungsstrategien mehr umsetzen, weil er mit seinen Transaktionen den Markt selbst bewegt.


Echter Mehrwert durch aktives Investieren entsteht in kleineren, fokussierten Strategien, die sich auf Marktsegmente konzentrieren, in denen passive Flüsse besonders große Verzerrungen erzeugen, und die die Disziplin haben, nur dann zu investieren, wenn eine ausreichende Sicherheitsmarge vorhanden ist.


Wie sieht eine vernünftige Antwort auf die Frage aus?



Die ehrliche Antwort auf die Frage nach aktivem oder passivem Investieren ist differenziert.


Für die Mehrheit der liquiden Kernpositionen in einem Portfolio sprechen günstige Indexfonds nach wie vor für sich. Die Beweislage ist eindeutig, und die Kostenersparnis gegenüber teuren aktiven Fonds summiert sich über lange Zeiträume zu einem erheblichen Unterschied. Der Kern eines gut strukturierten Portfolios kann sinnvollerweise aus kostengünstigen, breit diversifizierten Indexpositionen bestehen.


Für die Satelliten-Komponenten hingegen, also für die opportunistischen Teile des Portfolios, die gezielt Überrenditen anstreben, ist aktives Investieren mit echter Überzeugung und einem valuationsbasierten Ansatz eine legitime, und in einem passiv dominierten Markt, möglicherweise attraktivere Alternative als je zuvor. Voraussetzung ist, dass die Kosten kontrolliert werden, dass die Strategie auf echte Analyse statt auf Benchmarkjagd beruht, und dass ein ausreichend langer Anlagehorizont vorhanden ist.


Genau diese Logik liegt der Stratik-Methodik von JS Advisors zugrunde. Ein stabiler, kostengünstiger Kern kombiniert mit gezielten, fundamentalgetriebenen Satellitenstrategien, die die strukturellen Schwächen eines passiv dominierten Marktes nutzen.


Häufige Fragen zu aktivem und passivem Investieren mit ETFs


Was ist der Unterschied zwischen aktivem und passivem Investieren? Passives Investieren bildet einen Marktindex automatisch nach, ohne Einzeltitelauswahl. Aktives Investieren versucht, durch gezielte Analyse und Titelauswahl den Markt oder einen Vergleichsindex zu übertreffen. Passives Investieren ist günstiger und schlägt die Mehrheit aktiver Fonds nach Kosten. Aktives Investieren kann in spezifischen Marktsegmenten und mit der richtigen Strategie dennoch Mehrwert schaffen.


Warum schlagen die meisten aktiven Fonds ihren Index nicht? Die Hauptgründe sind zu hohe Verwaltungsgebühren, die die Rendite direkt reduzieren, zu großes Anlagevolumen, das echte Überzeugungsstrategien unmöglich macht, zu viel Nähe zur Benchmark, weil Fondsmanager Karriererisiken scheuen, sowie unzureichende Disziplin bei der Bewertungsanalyse. Die Idee des aktiven Investierens scheitert selten, die strukturellen Bedingungen großer Publikumsfonds jedoch häufig.


Sind ETFs wirklich immer die beste Wahl? ETFs sind für viele Anleger eine sehr gute Wahl, insbesondere für den stabilen Kern eines Portfolios. Ihre Grenzen liegen darin, dass sie nur das abbilden, was der Markt bietet, keine Chancen in nicht-börsennotierten Segmenten erschließen, und keine Anpassung an Bewertungsverzerrungen vornehmen. Für einen vollständig strukturierten Vermögensaufbau sind sie ein wichtiger Baustein, aber nicht die vollständige Antwort.


Was versteht man unter Markteffizient, und gilt sie noch? Die Hypothese effizienter Märkte besagt, dass alle verfügbaren Informationen sofort und vollständig in Marktpreisen reflektiert sind, was systematische Überrenditen durch Analyse ausschließen würde. In ihrer strengen Form gilt sie heute als empirisch nicht haltbar. In einer Welt, in der über 60 Prozent der Fondsgelder passiv sind und algorithmische Strategien Preisbewegungen ohne Fundamentalanalyse erzeugen, entstehen Bewertungsanomalien, die echte Analysemöglichkeiten bieten.


Was ist eine Indexkonzentration, und warum ist sie ein Risiko? In populären Indizes wie dem S&P 500 konzentriert sich ein wachsender Anteil des Gewichts auf wenige sehr große Unternehmen. Wer einen S&P 500 ETF kauft, hält heute einen überproportional großen Teil seines Kapitals in einer Handvoll Technologieunternehmen, die in den vergangenen Jahren stark gestiegen sind. Diese Konzentration ist ein strukturelles Risiko, das viele passive Anleger nicht bewusst eingehen wollen, aber unbewusst eingehen.


Wie kombiniert die Stratik-Methodik aktive und passive Elemente? Die Stratik-Methodik nutzt für den stabilen Kern des Portfolios breit diversifizierte, kostengünstige Positionen, die in ihrer Struktur indexnah sind. Für die Satelliten-Komponenten werden gezielt fundamentalgetriebene, aktive Strategien eingesetzt, die Bewertungsanomalien nutzen, die durch die Dominanz passiver Investments entstehen. Diese Kombination vermeidet die Kostenfalle des teuren aktiven Managements und nutzt gleichzeitig die strukturellen Chancen, die ein passiv dominierter Markt bietet.


Das Wichtigste im Überblick


Die Debatte zwischen aktivem und passivem Investieren ist keine binäre Entscheidung. Passives Investieren ist für den Kern eines Portfolios aus guten Gründen überlegen. Aber die massenhafte Verbreitung passiver Strategien verändert die Marktstruktur auf eine Weise, die für fundamental analysierende, aktive Strategien in den richtigen Marktsegmenten neue Chancen schafft. Wer das versteht, muss sich nicht zwischen aktiv und passiv entscheiden, sondern kann beides intelligent kombinieren.


Wer mehr darüber erfahren möchte, wie JS Advisors diese Logik in der Praxis umsetzt, kann jederzeit ein kostenloses Erstgespräch vereinbaren.


Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine Anlageberatung dar. Investitionen in Wertpapiere und andere Anlageklassen sind mit Risiken verbunden, einschließlich des Risikos eines teilweisen oder vollständigen Kapitalverlusts. Vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse. Bitte lesen Sie unsere vollständigen rechtlichen Hinweise.

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