Wie funktioniert Private Equity für Privatanleger? Wie Sie ab 25.000 Euro Zugang zu institutionellen Beteiligungen bekommen
- Justin Sodhi

- 9. Juli
- 5 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 16. Juli
Inhaltsverzeichnis
Die wichtigsten Punkte auf einen Blick
Private Equity: Beteiligungskapital an nicht börsennotierten Unternehmen, das über spezialisierte Fondsgesellschaften investiert wird und traditionell institutionellen Anlegern vorbehalten war.
J-Curve-Effekt: In den ersten Jahren eines Private-Equity-Investments überwiegen Kosten und Bewertungsabschläge, positive Erträge zeigen sich meist erst nach drei bis fünf Jahren.
Bindungsdauer: Klassische Private-Equity-Fonds binden Kapital über acht bis zwölf Jahre, semi-liquide Evergreen-Strukturen bieten inzwischen vierteljährliche Rückgabemöglichkeiten.
Mindestanlage gesunken: Während institutionelle Fonds oft Millionenbeträge voraussetzen, ermöglichen neue Strukturen den Einstieg bereits ab niedrigen fünfstelligen Beträgen.
Diversifikationseffekt: Private Equity korreliert historisch geringer mit öffentlichen Aktienmärkten als viele andere Anlageklassen, was in Portfolios eine stabilisierende Funktion übernehmen kann.
Wenn Sie regelmäßig lesen, dass Stiftungen, Pensionskassen und Family Offices einen Teil ihres Vermögens in Private Equity investieren, während Ihr eigenes Depot aus Aktien, Anleihen und vielleicht ein paar ETFs besteht, fragen Sie sich zu Recht, woran das liegt. Die Antwort ist weniger eine Frage der Eignung als eine Frage des Zugangs, und genau dieser Zugang hat sich in den vergangenen Jahren spürbar verändert.
Was Private Equity von Aktien und Fonds unterscheidet
Private Equity bezeichnet Eigenkapitalbeteiligungen an Unternehmen, die nicht an der Börse gehandelt werden. Statt Aktien eines DAX-Konzerns zu kaufen, beteiligt sich ein Private-Equity-Fonds direkt an mittelständischen Unternehmen, Wachstumsfirmen oder Übernahmezielen, oft mit dem Ziel, den Unternehmenswert über mehrere Jahre aktiv zu steigern und anschließend zu verkaufen.
Die drei klassischen Zugangswege
Institutionelle Investoren erreichen diese Anlageklasse traditionell über drei Wege. Der erste ist die Direktbeteiligung an einzelnen Unternehmen, die enorme Prüfungskapazitäten voraussetzt und für Privatanleger praktisch ausgeschlossen ist. Der zweite ist die Beteiligung an geschlossenen Private-Equity-Fonds, die üblicherweise Mindestzeichnungssummen von einer bis mehreren Millionen Euro verlangen. Der dritte, in den vergangenen Jahren stark gewachsene Weg sind semi-liquide Dachfonds- und Evergreen-Strukturen, die mehrere zugrunde liegende Private-Equity-Fonds bündeln und dadurch auch kleinere Zeichnungssummen ermöglichen.
Warum Privatanleger bisher außen vor blieben
Der Hauptgrund für die lange Abwesenheit privater Anleger liegt in der aufsichtsrechtlichen Struktur klassischer Private-Equity-Fonds, die häufig als AIF nach dem Kapitalanlagegesetzbuch aufgelegt werden und in ihrer ursprünglichen Form primär semi-professionelle und professionelle Anleger adressieren. Hinzu kommt die geringe Liquidität, denn Kapital wird über viele Jahre gebunden, was für institutionelle Anleger mit langem Anlagehorizont kein Problem darstellt, private Haushalte mit kurzfristigem Liquiditätsbedarf aber überfordern kann.
Die Beispielrechnung: Rendite, Gebühren und Illiquidität im Vergleich
Nehmen wir eine Anlegerin, die 50.000 Euro zur Verfügung hat und zwischen einem globalen Aktien-ETF und einem semi-liquiden Private-Equity-Dachfonds abwägt. Der ETF verlangt eine jährliche Gesamtkostenquote von etwa 0,2 Prozent, der Private-Equity-Dachfonds typischerweise eine Verwaltungsgebühr von 1,5 bis 2 Prozent pro Jahr zuzüglich einer erfolgsabhängigen Beteiligung von rund 10 bis 20 Prozent oberhalb einer Mindestverzinsung, der sogenannten Hurdle Rate.
Historische Daten großer Datenanbieter wie Preqin zeigen für globale Buyout-Fonds über die vergangenen zwanzig Jahre eine durchschnittliche Nettorendite, die je nach Jahrgang zwischen 3 und 5 Prozentpunkten über vergleichbaren Aktienmarktindizes lag, allerdings mit erheblicher Streuung zwischen den einzelnen Fondsjahrgängen und -managern. Bei einer Investition von 50.000 Euro über zehn Jahre würde eine angenommene Nettorendite von 12 Prozent per annum gegenüber 8 Prozent beim ETF einen Endwert von rund 155.000 Euro statt 108.000 Euro bedeuten, wobei diese Differenz die höheren Gebühren bereits einschließt. Entscheidend ist dabei, dass dieser höhere Ertrag mit deutlich geringerer Liquidität erkauft wird, denn während der ETF-Anteil an jedem Handelstag verkauft werden kann, sind bei semi-liquiden Private-Equity-Strukturen Rückgaben meist nur vierteljährlich und begrenzt auf einen Prozentsatz des Fondsvolumens möglich.
Welche Private-Equity-Strukturen heute für Privatanleger offenstehen
Seit der europäischen ELTIF-2.0-Reform, die 2024 in Kraft trat, dürfen European Long-Term Investment Funds gezielt auch an Privatanleger vertrieben werden, mit reduzierten Mindestanlagesummen und ohne die früher verpflichtende Eignungsprüfung ab einem Anlagebetrag von 10.000 Euro. Parallel haben mehrere internationale Private-Equity-Häuser eigene semi-liquide Evergreen-Fonds aufgelegt, die kontinuierlich neues Kapital aufnehmen und über ein gestuftes Rückgabefenster verfügen, statt wie klassische Fonds eine feste Laufzeit von acht bis zwölf Jahren zu haben.
Für Sie als Anleger bedeutet das konkret, dass Sie heute zwischen geschlossenen Einzeljahrgangsfonds mit fester Laufzeit und semi-liquiden Dachfondsstrukturen wählen können, wobei Letztere zwar eine gewisse laufende Flexibilität bieten, dafür aber in der Regel eine breitere Diversifikation über mehrere zugrunde liegende Fonds und Jahrgänge mit sich bringen, was die Streuung des Investitionsrisikos verbessert.
Chancen und Grenzen von Private Equity im Privatportfolio
Der historische Renditevorsprung gegenüber öffentlichen Märkten ist real, beruht aber auf mehreren strukturellen Quellen, die sich nicht beliebig fortschreiben lassen. Ein Teil der Mehrrendite entsteht durch die sogenannte Illiquiditätsprämie, also die Entschädigung dafür, dass Kapital über Jahre gebunden ist. Ein weiterer Teil entsteht durch operative Wertsteigerung in den Portfoliounternehmen, die tatsächlich von der Qualität des jeweiligen Fondsmanagers abhängt, und hier zeigt sich in der Praxis eine der größten, oft unterschätzten Herausforderungen der Anlageklasse. Die Renditestreuung zwischen dem besten und dem schlechtesten Viertel der Private-Equity-Manager ist deutlich größer als bei öffentlichen Aktienfonds, weshalb die Managerauswahl hier stärker über den Anlageerfolg entscheidet als bei einem passiven Indexinvestment.
Hinzu kommt die Bewertungsproblematik. Da die zugrunde liegenden Unternehmensbeteiligungen nicht täglich an einer Börse gehandelt werden, basieren Zwischenbewertungen auf Schätzverfahren der Fondsmanager, was in Marktphasen mit hoher Unsicherheit zu einer verzögerten und geglätteten Wertentwicklung führen kann, die die tatsächliche Volatilität der zugrunde liegenden Unternehmen unterschätzt. Wer Private Equity vor allem wegen einer vermeintlich geringeren Schwankungsbreite wählt, sollte diesen Bewertungseffekt kennen, statt ihn mit tatsächlicher Stabilität zu verwechseln.
Fazit und nächste Schritte
Private Equity ist heute keine exklusive Anlageklasse der Superreichen mehr, sondern über ELTIF-Strukturen und semi-liquide Evergreen-Fonds auch für Privatanleger mit mittlerem fünfstelligem Anlagevermögen zugänglich geworden. Der potenzielle Renditevorsprung gegenüber öffentlichen Märkten ist historisch belegbar, hängt aber maßgeblich von der Auswahl des richtigen Fondsmanagers und von der Bereitschaft ab, Kapital über mehrere Jahre zu binden.
Bevor Sie einen Teil Ihres Portfolios in Private Equity umschichten, lohnt sich eine ehrliche Bestandsaufnahme Ihrer Liquiditätsreserven, denn diese Anlageklasse eignet sich strukturell nur für Kapital, das Sie mittelfristig nicht benötigen. Im Rahmen des Anlage-Mandats der JS Advisors Group prüfen wir gemeinsam mit Ihnen, welcher Anteil Ihres Vermögens für alternative Investments wie Private Equity infrage kommt und über welche konkrete Struktur der Zugang für Sie sinnvoll ist.
Häufige Fragen
Wie viel Startkapital benötige ich mindestens für Private Equity? Über ELTIF-2.0-konforme Strukturen und semi-liquide Dachfonds liegen die Mindestanlagesummen inzwischen häufig zwischen 10.000 und 25.000 Euro, während klassische geschlossene Fonds weiterhin deutlich höhere Summen voraussetzen.
Wie lange ist mein Kapital bei Private Equity gebunden? Klassische Fonds binden Kapital typischerweise acht bis zwölf Jahre, semi-liquide Evergreen-Strukturen bieten dagegen meist vierteljährliche, aber volumenbegrenzte Rückgabemöglichkeiten.
Ist Private Equity riskanter als Aktien? Das unternehmerische Risiko der einzelnen Beteiligungen ist vergleichbar, die Illiquidität und die geringere Bewertungstransparenz stellen jedoch ein zusätzliches, eigenständiges Risiko dar, das bei Aktien in dieser Form nicht existiert.
Zahlt sich die Managerauswahl bei Private Equity wirklich stärker aus als bei Aktienfonds? Ja, empirische Auswertungen von Datenanbietern wie Preqin zeigen eine deutlich größere Renditestreuung zwischen einzelnen Private-Equity-Fondsjahrgängen und -managern als zwischen vergleichbaren aktiv gemanagten Aktienfonds.
Wenn Sie prüfen möchten, ob und in welchem Umfang Private Equity zu Ihrem Portfolio passt, buchen Sie sich ein unverbindliches Erstgespräch hier.
Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine individuelle Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar. Er berücksichtigt nicht Ihre persönlichen Verhältnisse und ersetzt keine Beratung durch einen Steuerberater, Rechtsanwalt oder zugelassenen Finanzdienstleister. Trotz sorgfältiger Recherche übernehmen wir keine Gewähr für Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Angaben.



